Die unfallversicherte Fahrgemeinschaft – auch bei Umwegen

Es muss nicht immer der schnellste Weg sein: Das Bundessozialgericht (Kassel) erlaubt auch Umwege. Die Rede ist vom Weg zur Arbeit oder Schule, der unter den Schutz der generellen Unfallversicherung fällt. Was aber, wenn eine Person Deckung beantragt, obgleich sie sich überhaupt nicht – de facto – auf dem Weg zur alltäglichen Pflicht befand?

Dem Bundessozialgericht lag nun ein Fall vor, in dem der schulpflichtige Kläger infolge eines Motorradunfalls eine Lähmung erlitt. Dieser war gerade dabei gewesen, einen Freund abzuholen. Das sei nicht der Weg zur Schule gewesen, argumentierte der Versicherungsträger und lehnte den Anspruch ab. Doch die Fahrt zum Freund verfolgte den Zweck, Letzteren zur – Schule(!) abzuholen und zwar zu derselben, in deren Unterricht der Kläger erwartet wurde.

Bleibt das Endziel einer Fahrt die Stätte der alltäglichen Pflichtausübung eines Versicherungsnehmers, kann ihm stets voller Deckungsanspruch gewährt werden. Im konkreten Fall fuhr der Kläger drei Jahre lang seinen Bruder erst in die Nähe der Schule, um dann kehrt zu machen und den Freund noch abzuholen. Unfallversicherungsschutz im Sinne des Arbeitsweges hängt somit nicht davon ab, wie viele Personen man auf welchen Umwegen mitnimmt, sondern dass alle „Passagiere“ an denselben Ort wollen.

Einzig zu beachten: Der Weg zur Arbeit gilt dann als beendet, wenn man dort angekommen ist. Hätte der Kläger den Bruder im obigen Beispiel somit vollständig zur Schule gefahren, wäre ein weiterer Weg, um einen Freund abzuholen, nicht mehr gedeckt gewesen. Dies nämlich erfüllt die klassische Begrifflichkeit des „Fahrdienstes“ – einen solchen wahrzunehmen, unterstellte auch die zahlungssäumige Versicherung dem Kläger.

Doch wenn, wie oben ausgeführt, Arbeitskollegen oder Mitschüler auf Umwegen vor dem Erreichen des Ziels abgeholt werden, nennt man dies – versicherungsrechtlich und auch umgangssprachlich – eine „Fahrgemeinschaft“. Diese ist nicht nur legitim, sondern auch erwünscht – ein Richterspruch im Sinne der Umwelt.
http://wiso.zdf.de/ZDFde/inhalt/3/0,1872,8011331,00.html?dr=1

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